Nachwuchsforschergruppe Kreativität und Genie
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Die Nachwuchsforschungsgruppe "Kreativität und Genie" setzt die literaturwissenschaftliche Genie-Forschung und die interdisziplinäre Kreativitäts-Forschung in Bezug zueinander. Ihre Leitfrage lautet: Wie ist aus der Randfigur des Dichtergenies ein Leitbild geworden, das ganze Wirtschaftszweige prägt und einen verbindlichen Standard von privatem Self-Fashioning setzt? mehr

Der verwaltete Mensch und der schöpferische Mensch bezeichnen auf den ersten Blick zwei gegensätzliche Extreme moderner Anthropologie. Beide Vorstellungen gehen auf Konzeptualisierungen des Schreibens Mitte des 18. Jahrhunderts zurück: Bezeichnete damals bureaucratie die Funktionalisierung mittelmäßiger Schreiber zugunsten einer ‚rationalisierten‘ Verwaltung, tauchte zur selben Zeit mit dem original genius erstmals die Möglichkeit eines vollständig schrankenlosen, gottgleich gestaltenden Schreibenden auf. mehr

Ästhetische Produktion wird seit dem 18. Jahrhundert am Superlativ des „Genies“ gemessen. Genie entwickelt sich als Gegenbegriff zu Kategorien der Aufklärung wie Verstand, Geschmack und Urteilskraft und zugleich als Leitbegriff einer bürgerlichen Klasse, deren Selbstbeschreibungen maßgeblich aus der Vorstellung der eigenen Produktivität entwickelt werden. Heute ist, nach soziologischen Befunden, die westliche Gesellschaft von einem Kreativitätsimperativ geprägt. Die zentrale Frage, um die sich die Texte der Genieästhetik gruppieren, stellt sich damit neu: Was macht schöpferische Subjektivität aus? mehr